14.09.2023

Berset-Nachfolge

Matthias Aebischer will Bundesrat werden

Der Medienpolitiker und ehemalige SRF-Moderator will Alain Berset in der Landesregierung ersetzen. Exponentinnen und Exponenten von der SP loben ihn als begnadeten Kommunikator und Mann mit Führungsqualitäten.
Berset-Nachfolge: Matthias Aebischer will Bundesrat werden
Der SP-Nationalrat Matthias Aebischer gab seine Kandidatur an einer Medienkonferenz in Bern bekannt. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Der Berner SP-Nationalrat und frühere SRF-Fernsehmoderator Matthias Aebischer will Bundesrat werden. Das hat er am Donnerstag vor den Medien im Bundeshaus bekanntgegeben. Er ist der dritte SP-Bundesparlamentarier, der Alain Berset in der Landesregierung ersetzen will.

Aebischer politisiert seit bald zwölf Jahren im Nationalrat. Vor seiner Zeit im Bundeshaus war Aebischer unter anderem Moderator verschiedener Sendungen beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und erlangte dadurch in der Deutschschweiz grosse Bekanntheit.

Vor den Medien sagte er, er sei nach einer Zeit des Nachdenkens im Sommer zum Schluss gekommen, dass er alle Voraussetzungen fürs Bundesratsamt mitbringe. Er traue sich das Amt zu. Er habe einen klaren Gestaltungswillen, sei ein Teamplayer, habe eine gewinnende Art und wolle in wichtigen Fragen tragfähige Lösungen finden, etwa in der Energiepolitik. Sein Umfeld unterstütze ihn.

Exponentinnen und Exponenten der SP des Kantons Bern lobten Aebischer vor den Medien als begnadeten Kommunikator und Mann mit Führungsqualitäten. Dass er über keine Regierungserfahrung verfügt, sieht Aebischer nicht als Problem: «Ich präsidiere einige Verbände und Vereine seit einigen Jahren.» Das zeige, dass seine Führungsqualitäten geschätzt würden.

Aebischer präsidiert etwa Pro Velo Schweiz und den Kinoverband Cinésuisse. Auch im Parlament ist Aebischer gut vernetzt. Er ist Mitglied in fast sechzig parlamentarischen Gruppen mit verschiedenen Themenbereichen wie Sport, Medien, Verkehr und Weiterbildung.

Chancen eines Berners intakt

Seine Kandidatur sei nicht gegen irgendwen gerichtet, sagte Aebischer auf eine Journalistenfrage. Sie sei auch nicht gegen seine Frau, die Zürcher GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser, gerichtet. Sie beide hätten abgemacht, dass diejenige Person, welche für eine Bundesratskandidatur antreten könne, dies tue und dann vom Partner unterstützt werde.

Bezüglich Vereinbarkeit von Familie und Beruf hob Aebischer, der vier eigene Töchter beziehungsweise sieben Kinder im engeren Umfeld hat, die Organisation hervor. «Man muss gut zirkeln und gut planen können.» Ab und an seien «Feuerwehrübungen» nötig.

Bei der Frage, ob der Kanton Bern mit zwei Mitgliedern in der Landesregierung nicht übervertreten wäre, verwies Aebischer auf die Bundesverfassung. Demnach sollen die verschiedenen Landesregionen im Bundesrat angemessen vertreten sein. «Wie das zu interpretieren ist, muss die Vereinigte Bundesversammlung entscheiden.»

Die Chancen auf den Einzug eines zweiten Berners neben Albert Rösti in den Bundesrat seien durchaus vorhanden, sagte der Genfer Politologe Nenad Stojanovic am Donnerstag auf Anfrage. Das zeige nur schon der Umstand, dass 2010 gleichzeitig die Bernerin Simonetta Sommaruga und der Berner Johann Schneider-Ammann in die Landesregierung gewählt worden seien.

Anmeldeschluss Ende Oktober

Die Co-Präsidentin der SP Kanton Bern, Anna Tanner, sagte, die Kantonalpartei sei offen für weitere Kandidierende, auch Frauen. Die SP Schweiz gab Anfang Monat bekannt, dass alle interessierten Parteimitglieder bis zum 29. Oktober eine Kandidatur einreichen können.

Bisher haben mit Mustafa Atici aus dem Kanton Basel-Stadt und Daniel Jositsch aus dem Kanton Zürich zwei Bundesparlamentarier Interesse angemeldet. Ab Ende Oktober prüft eine Kommission der SP die Kandidaturen auf ihre Eignung. Am 25. November wird die Fraktion das Bundesratsticket nominieren. (sda/wid)



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Kommentare

  • Sebastian Renold, 17.09.2023 12:38 Uhr
    Jositsch, Aebischer, Mustafa - der "Möchte-gern"-Ehrgeiz ist bei allen drei grösser als die zwingende Eignung. Aber Bundesräte sind eben auch nicht mehr das, wofür man sie einst hielt (auch damals nicht immer zu recht).
  • Victor Brunner, 15.09.2023 08:41 Uhr
    Keine Chance für Aebischer. 2 Bundesräte aus dem gleichen Kanton geht nichts. Besonders nicht aus dem Kanton der mit 100 von Millionen aus dem NFA gefüttert werden muss. Aebischer ist ein "gmögiger" abber kein wirklicher Macher!

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